Do 11 Mrz 2010
Mittelrumänientour
Editiert von Annika Schulte unter Lesertagebuch
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Ok, ich weiß, es ist schon ein bisschen her, aber trotzdem möchte ich euch das letzte Wochenende nicht vorenthalten:
Am Freitag sind wir mit “des Pfarrers Auto” aufgebrochen, um das große, weite Rumänien zu sehn. Erstes Ziel: Brasov. Auf dem Programm für die alte Stadt, westlich der Karpaten und damit in Siebenbürgen, also einem deutsch-geprägten Gebiet, stand natürlich die Schwarze Kirche, das Wahrzeichen der Stadt. Das gotische Gotteshaus steht mitten im Zentrum der Stadt, am Marktplatz. Genau wie das Hirscherhaus, das Rathaus, eine superinteressante orthodoxe Hinterhof-Kirche, der schwarze und der weiße Turm in der Stadtmauer,… Von dort aus, ein bisschen höher gelegen, wollten wir uns eigentlich einen Überblick über die Altstadt verschaffen, wurden aber vom heftigen Schneefall gehindert.
Dieser hat dafür gesorgt, dass die Straßen, die bei unserer Ankunft zwei Stunden zuvor noch schneefrei waren, zu diesem Zeitpunkt bereits von einer zentimeterdicken Schneeschicht bedeckt waren. Und das, obwohl wir schon Frühlingswetter hatten
Es ist echt unmöglich! Da fährt man mal weg und sofort schneit es als würde Frau Holle Winterschlussverkauf oder Frühlingsputz machen: “Alles muss raus, der Schnee muss runter!”
Nach einer Runde Bowlen, Bar-Besuch mit Livemusik und einer nächtlichen Stadtwanderung sind wir in unsere wunderbar alten Hostel-Betten gefallen, um am Samstag nach Bran, dem Dorf mit dem Dracula-Kloster zu fahren. Allerdings erst, nachdem ich am frühen Morgen noch einmal zum weißen Turm raufgeklettert bin um bei etwas klarerem Blick noch ein paar Fotos zu machen.

In dieses “Gruselschloss” würde ich am liebsten einziehen- wären da nicht die vielen Touristen und Touristenstände. Das einzige was es in diesem kleinen Ort zu sehen gibt ist das Schloss. Die Souvenier- und Essensstände nehmen aber mindestens fünfmal so viel Platz ein! Und warum ich dort einziehen würde?- Das Schloss, so renoviert wie es jetzt ist, hat trotz des bescheidenden Wetters eine solche Wärme ausgestrahlt, war unglaublich verwinkelt, mit tausend Nieschen, mehreren Stockwerken, schmalen und niedrigen Gängen, kleinen Balkonen, alles was ein (gutes) Märchenschloss braucht!- Und kein bisschen gruselig! Zumal “Graf Dracula” ja niemals in dieser Form existiert, geschweige denn dort gewohnt hat. Und Fledermäuse hab ich auch keine gesehen. 

Nach dem Mittagessen (für die Jungs mal wieder eine Pizza, für Martin und mich einen rumänischen Spieß gezuckertes und genusstes Brot) sind wir dann auch schon in Richtung Sighisoara aufgebrochen. Oben, neben der ehemals katholischen, später evangelischen, jetzt gekrönt-restaurierten Bergkirche habe ich mir fünf Minuten Zeit genommen, ein bisschen über den Friedhof zu schlendern. Schwer war es nicht die Inschriften zu lesen- nicht, weil Rumänisch in “Gefahrensituationen” mittlerweile besser klappt als Englisch, sondern weil schlichtweg jeder Grabstein auf Deutsch beschriftet war und auf die Namen vertraut deutsch klangen. Ein Arzt, der Bürgemeister, eine junge Frau, ein Mädchen, … mit Name, mit Spruch, mit Geburtst- und Todestag, teilweise sogar die Todesursache vermerkt.
Am späten Nachmittag sind wir dann noch aufgebrochen um Abends in Miercurea Ciuc anzukommen. Leider konnten wir das im Reiseführer genannte Hostel nicht direkt finden und haben ein paar junge Leute angesprochen- natürlich auf Rumänisch. Denn wozu lernt man die Landessprache denn sonst? Die Antwort auf meine Frage war dann leider keine Wegbeschreibung, sondern ein entschuldigendes “English???”. Ja richtig, wir waren im ungarisch-sprachigen Teil Rumäniens. Noch nicht einmal in der Schule wurde (wird?) Rumänisch unterrichtet! Aber wie schon gesagt: mein Englisch war erbärmlich! Letztendlich haben wir es dann doch noch selbst gefunden, hatten eine unglaublich luxuriöse Nacht, eine wunderbar liebe Herbergsmama und direkt gegenüber einen Tante-Emma-Laden mit zwei super gesprächigen Damen mittleren Alters, wegen denen ich dann um eine Tüte Milch zu kaufen statt zwei Minuten direkt eine halbe Stunde gebraucht habe, den Laden aber mit einigen hilfreichen Touristeninformationen gratis verlassen konnte. Zu unserem Glück war die Sonne ausnahmsweise auf unserer Seite, sodass die wenigen Sehenswürdigkeiten durch die traumhafte Winteridylle wettgemacht wurden:

Auf der Rückfahrt mitten durch die Karpaten über eine Straße, die nur aus Schlaglöchern und anderen Hindernissen besteht, ging es dann zwar nicht ganz so schnell vorwärts, aber immerhin waren wir am frühen Abend gesättigt mit neuen Eindrücken und stolz auf unser gutes Ergebnis wieder zu Hause zurück.

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